Fitness für 40+ boomt

Immer mehr entdecken den Lohn der Bewegung

Anton Kilchmann

Die Tage werden kürzer und es geht schon wieder Weihnachten zu. Die Schaufenster blinken um die Wette und die Flut an Geschenkideen füllt den Briefkasten. Wenn unser ältestes Mitglied der Fitnessgruppe – notabene über 87 Jahre alt – die Sachen packt und sich auf den Weg von Oerlikon zur Rösliturnhalle macht, ist es bereits stockdunkel. Ein kalter Wind bläst ihm ins Gesicht – aber das hindert ihn nicht, die rund 1,5 Km über den Milchbuck bis zur Röslistrasse zu Fuss zurückzulegen. Dort wird er wie immer an jedem Mittwochabend am Fitnesstraining von Jules teilnehmen.

Fitnessgruppe des TVU-SfA am 5.11.2025

Die Mitgliederzahl in der Fitnessgruppe «boomt» regelrecht. In den letzten drei Monaten sind wieder vier neue Mitglieder zur Fitnessgruppe gestossen – insgesamt sind über 25 Sportinteressierte als TVU-Mitglieder registriert; am letzten Mittwoch – am 12. November 2025 haben 18 Teilnehmende das Training besucht – ein neuer Rekord! Langsam scheinen der Erkenntnisse aus der Wissenschaft, dass Bewegung ein zentrales Element für ein gesundes Alter ist, auch die breite Bevölkerung erreicht zu haben. Uns geht es nicht darum, möglichst viele Jahre auf diesem Planeten verbringen zu dürfen – wie Spötter immer wieder einwerfen; nein – es geht darum, möglichst lang gesund, mobil und mit klarem Kopf zu bleiben, bis uns dann der Sensenmann zu sich ruft. Und schon gar nicht geht es darum, nichts zu geniessen, um gesund zu sterben, wie es einmal der eigenwillige Virologe Beda Stadler aus Bern so treffend formuliert hatte.

Neueste Erkenntnisse belegen, wie regelmässiges Bewegen das Auftreten von Demenz und Alzheimer um Jahre hinauszuschieben vermag. Aber auch der Kreislauf und damit das Herz profitieren davon, zu dem hilft das Kräftigen der Muskeln Stürze zu vermeiden – eine der häufigsten Todesursachen im Alter. Jules plant deshalb immer wieder Lektionen, wo all diese Elemente eingebunden sind. Der Mensch besteht jedoch nicht nur aus «Pumpen», Blutbahnen, «Stellhebeln» oder einem «Rechenzentrum mit Speicher» – wir haben auch eine Seele und eine Psyche. Auch die Psyche braucht ihr Futter. Manchmal organisiert Jules noch in der letzten Viertelstunde ein Spiel. Beispielsweise «Ultimate Frisbee» – für uns ältere Generation etwas Neues – ein Trendsport natürlich aus den USA. Ziel des Spiels ist, durch Zuwerfen der Scheibe – ohne mit der Scheibe in der Hand zu laufen(!) – die Scheibe hinter der Linie der gegnerischen Mannschaft zu fangen und auf den Boden zu legen. Hei – war das ein «Gaudi». Mit viel Eifer und Ehrgeiz stürzten wir uns mit blauen und gelben Bändeln «dekoriert» ins Spiel und entdeckten, wie die Freude am Spiel aus der Kindheit in uns weiterlebt. Ich darf vielleicht noch anfügen: Verletzte gab es keine – dafür strahlende Gesichter.

Übungen mit dem Schwedenbank

Aber auch Stafetten standen auf dem Programm. Hier entdeckte der eine oder die andere den in sich schlummernden Ehrgeiz, doch noch einmal als Sieger*in vom Platz gehen zu können. Gruppenübungen ergänzten das Programm. Eine schwere Schwedenbank gemeinsam seitlich zu fassen und dann vom Boden über den Kopf hochzustemmen, verlangt gemeinsames und koordiniertes Agieren der Gruppe – aber auch Vertrauen, dass nicht plötzlich einige schlapp machen und die Bank sausen lassen. Letztlich zeigten uns aber auch Übungen auf dem «Schwebebalken» (die Unterseite der Schwedenbänke), wie die Grenzen für das Gleichgewicht stets enger werden. Nur wenige schafften es, sich auf einem Fuss auf diesem dünnen Balken um 360 Grad zu drehen. Aber das Kennenlernen von Grenzen scheint mir auch eine wichtige Erfahrung zu sein – denn wenn ich auf einer Bergwanderung das Gleichgewicht verliere – könnte es das letzte Mal sein.

Voller Einsatz um den ersten Platz ….

Nach gut einer Stunde ist Schluss. Die Volleyballer warten ungeduldig, bis wir das Terrain freigeben und helfen uns die Matten und Bänke zu versorgen. Aber eigentlich ist noch nicht ganz fertig – jetzt kommt der Teil von Beda Stadler und nochmals Futter für die Psyche: vereint spazieren wir zum Restaurant Al Ventotto und teilen uns je nach Anzahl zwei bis drei Pizzas. Bei einem Glas Bier lässt sich dann trefflich über Gott und die Welt diskutieren. So gegen halb zehn heben wir die Tafelrunde auf. Das Wetter hat umgeschlagen; es ist regnerisch und windig. Wir verabschieden uns und unser ältestes Mitglied verschwindet in die nebelverhangene Dunkelheit in Richtung Oerlikon … natürlich zu Fuss.

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